Frankfurt, 25.06.2003
Weitere Steuerquellen: Aus meiner eiligen Depp-esche an Monsieur le Ministre pour la Santé de la Volksrepublic Doitschlande zu Berlin:
Lieber Jürgen,

eine weitere Steuerquelle und ein weiterer Grund, warum die Klimaziele von Kyoto nimmermehr erreichbar sind: das Grillen. Also, letzten Sonntag sitzen wir vor der Villa der Schwiegermutter an der Perforation des saarländischen Dörfchens Merchingen, avec vue sur la vallée et le village – gen Westen – und die neue Freundin meines Schwagers, eine Ätztrulla, wie sie im Buche, nein besser leider im Safte und im Leben steht, wählt übrigens Deine Partei und damit wohl auch Dich, mit einem Doppelvornamen und aus ihrer geschiedenen zweiten Ehe natürlich auch Doppel-Nachnamen, sitzt da bräsig im Schatten auf dem Rondel vor’m Haus, in der linken einen mit meinem Champagner wohlgefüllten Riedel-Kelch, in der rechten die Gabel zum Aufspießen der Räucherlachsscheiben und schwadroniert über die Erderwärmung, weil es war so 32 Grad im Schatten. Mir wirft sie vor, es wäre ökologisch unvertretbar, dass ich Sonntags einzelne Winzer besuche, da an der Saar oder eigentlich überhaupt, ich solle das gefälligst auf den Weinmessen erledigen oder mir die Proben schicken lassen. Hinter ihr stand der Grill, auf dem lagen biologisch-ex dynamische Kalbsrückensteaks. Der Wind wehte von Westen, so dass sie auch nicht riechen konnte, dass dieselben sich langsam aber sicher in Kohle verwandelten. Ich ließ aus erzieherischen Gründen dem Schicksal seinen Lauf, und wir beerdigten die Asche des Weideviehs in einer leeren Partagas D 4 Robusto Kiste aus Zedernholz, hinten im Garten, dort wo schon die letzten Ruhestätten der von mir in sausender Fahrt auf den Dorfstraßen niedergemangelten Hunde, Katzen und Hühner angelegt sind. Angesichts der Zedernholzkiste bekam ich noch einen Vortrag über das Baumsterben in der Dritten Welt, die schädliche Monokultur des Tabakanbaus und die Segnungen des Regimes von Fidel Castro zu hören. Inzwischen waren die neu aufgelegten Steaks fertig à point unter Aufsicht der Schwiegermutter. Aber – what a waste of energy – und das ist gelebte Erderwärmung.
Dafür solltest Du eine kräftige Sondersteuer für alle, weil alle grillen oder könnten grillen, und einen beamteten Überwachungsapparat ins Leben rufen, der vor allem im Sommer flächendeckend ausschwärmt, der den Leuten unangemeldet auf die Pelle rückt.

Es grüßt seinen verstocktesten Schüler aus der Hauptstadt des Verbrechens, Petra Roth Ville, Frankfurz am Wain.

Dein Michael

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