Frankfurt, 07.01.2004
Verschwendung aller Orten.
Auszug aus meiner dringenden Depp-esche an Monsieur le ministre pour la santé de la Umwelt, Straße der Besserwisser No. 1, Berlin:

Lieber Jürgen,

in dringenden Geschäften unterwegs, zu arm für Satelittennavigation in der Karre, stelle ich mich mit großem Ärger fest, dass eine weitere Quelle für Energieverschwendung die oft unzureichende wegweisende Beschilderung auf deutschen Straßen ist. Man kann sich sogar in diesem kleinen Land grandios verfahren, weil die Schilder von Aborigines für Aborigines aufgestellt werden, was aber wenig nutzt, weil die kennen sich eh aus, aber nicht die Ortsfremden.
Gestern nacht ritt ich verzweifelt durch die Pfalz und versuchte lange vergeblich, von Neustadt nach Speyer zu gelangen. Es ist ja so schlimm hier, fast wie im Ruhrpott. Der ist auch nur war für Aborigines, dank der genialen Beschilderung.
Dann möchte ich Dein gnädiges Augenmerk darauf richten, dass Du bitteschön ab Sommer, wenn Du endlich Kanzler bist, eine weitere Quelle der Energieverschwendung abschaffst, und zwar das Fernsehglotzen tagsüber, also von 9-19 Uhr wird verboten. Basta!
Was meinst Du, was wir da an Strom sparen bundesweit. Vielleicht braucht’s dann nur noch Windräder für die Stromerzeugung. Das wär’s dann doch! Weißt Du, die Leut’ sollen tagsüber arbeiten, lernen oder beten, aber nicht fernsehgucken. Und dann fiel mich noch auf, wie eine Mutter am Wegesrand ihren kleinen Sohn in die Landschaft hielt, zwecks pieseln. Ist dieser Eingriff in den Zustand der Natur eigentlich mal gründlich erforscht worden? Ist jemals durch 2 oder 3 Gutachten geklärt worden, was sich ein Baum oder ein Grasbüschel denkt, und wie er es empfindet, wenn ihn plötzlich und unerwartet ein 37°-warmer Strahl inmitten eisiger Umklammerung trifft? – Fragen über Fragen!

Es grüßt Dich aus der Hauptstadt des Verbrechens, Petra Roth-Ville,

Dein Michael

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